Achtzehnter Newsletter des Helfer-Stabs

 

Am 31. Juli hat endlich mal wieder ein Netzwerktreffen stattgefunden, bei dem sich viele Hilfsorganisationen aus dem Wiederaufbau getroffen haben und gemeinsam aktuelle Themen besprochen haben.

 

Wir haben zusammengefasst, worum es ging:

Als erstes wurde die Frage geklärt: Warum machen wir solche Treffen eigentlich? Die Antwort ist recht einfach: Nur wer voneinander weiß, kann auch zusammenarbeiten und an einem Strang ziehen. Und etwas so Großes wie den Wiederaufbau kann man nur schaffen, wenn alle zusammenarbeiten. Deshalb bringen wir bei unseren Netzwerktreffen Behörden, Wohlfahrtsverbände und freiwillige Hilfe zusammen, damit sich alle kennen und miteinander ins Gespräch kommen können. Daraus sind auch schon einige tolle Projekte entstanden, wie der Campus in Heimersheim und verschiedene Handwerkskooperationen!

Außerdem ging es viel um die Aufsuchende Hilfe. Die aktuellen Zahlen aus der Statistik der Aufsuchenden Hilfe habt ihr schon im letzten Newsletter lesen können – beim Netzwerktreffen wurden auch genau diese Zahlen nochmal präsentiert. Außerdem ging es um die Organisation des Projektes, bei dem Malteser und Helfer-Stab zusammenarbeiten.

Aktuell sind in der Aufsuchenden Hilfe 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Helfer-Stabs unterwegs, dazu kommen nochmal 15 von den Maltesern. Ziel des Projektes ist es, jeden Haushalt im Ahrtal aufzusuchen und mit den Betroffenen Gespräche zu allen Themen zu führen, über die Betroffene sprechen möchten. Dabei können wir leider nicht auf Unterstützung aus der freiwilligen Hilfe zurückgreifen, weil nicht alle für eine so herausfordernde Aufgabe geeignet sind. Es braucht viel Sozialkompetenz, Empathie und ein großes Bewusstsein dafür, dass man tagtäglich in die Privatsphäre der Menschen in die Gemeinden eindringt. Außerdem spielt der Datenschutz eine wichtige Rolle im Projekt und alle Aufsuchenden müssen sich an Verschwiegenheitserklärungen halten. Deshalb können wir nur auf Angestellte und gut geschulte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zurückgreifen.

Die meistbesprochenen Themen in der Aufsuchenden Hilfe sind die lange Auszahlungsdauer bei ISB-Anträgen und die Frage, wieso nicht als erstes 40% ausgezahlt werden, wie in Nordrhein-Westfalen. Das wurde mittlerweile von der ISB geändert: Im Rahmen einer vorweggenommenen Härtefallregelung können jetzt auch in Rheinland-Pfalz direkt 40 % ausgezahlt werden.* Und einige InfoPoints vermelden auch, dass es schnelle Antragsbewilligungen gibt: In Altenahr wurde u.a. ein Hausratsantrag innerhalb von 24 Stunden bewilligt! Mit der Hilfe von InfoPoints kann die Antragstellung also deutlich schneller gehen. In den Gemeinden, in denen die Aufsuchende Hilfe bereits war, merken wir auch eindeutig, dass die InfoPoints einen größeren Zulauf haben. Und es lohnt sich auch, die InfoPoints zu nutzen – empfehlt sie also gerne weiter!

Doch bei der Aufsuchenden Hilfe geht es nicht nur um Wiederaufbauhilfe-Anträge. Die Gespräche starten immer mit der Frage „Wie geht’s?“ und oft kommen psychosoziale Themen auf. Es ist davon auszugehen, dass rund 20% der Betroffenen psychisch schwerer belastet sind. Deshalb sind niedrigschwellige psychologische Angebote von geschulten Menschen sehr wichtig.

Die Aufsuchende Hilfe trifft auch immer wieder Härtefälle an, die besonders viel Hilfe brauchen. Diese Härtefälle können auch von Ortsbürgermeistern, Nachbarn oder freiwilligen Helfern gemeldet werden, dann werden sie gesondert aufgesucht und intensiver beraten. Oft merken wir, dass die Probleme durch falsche oder fehlende Information ausgelöst werden. Deshalb bieten wir zukünftig auch eine Aufsuchende Beratung in den Bereichen Antragstellung und psychologische Beratung, die dann direkt zu den Betroffenen nach Hause kommt.

Auch für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist eine gute Psychohygiene wichtig – und nicht nur für die! Das sogenannte PSNV für Einsatzkräfte (Psychosoziale Notfall-Versorgung) ist auch für die freiwillige Hilfe ein großes Thema. Deshalb möchten wir auch in Zukunft mit anderen Organisationen stärker zu diesem Thema zusammenarbeiten – beispielsweise für gemeinsame Supervisionen.

Dann ging es noch um die Frage, wie die Zukunft der Aufsuchenden Hilfe aussehen wird. Mit dem aktuellen Stand der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird es noch knapp 1,5 Jahre dauern, bis alle Gemeinden im Ahrtal aufgesucht wurden. Deshalb versuchen wir aktuell, mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anzustellen. Um zu vermeiden, dass Haushalte doppelt angelaufen werden, stimmt sich die Aufsuchende Hilfe mit den Ortsbürgermeistern und den örtlichen InfoPoints ab. Außerdem wird sie über Zeitungen und Einwurfschreiben angekündigt. Beim Netzwerktreffen wurde deutlich, dass auch andere Organisationen aufsuchende Hilfe anbieten. Mit denen möchten wir uns natürlich gerne austauschen – auch hier ist Netzwerken wichtig!

Gleiches gilt auch im Bereich Handwerk. Auch dort ist es wichtig zu Netzwerken, um den Betroffenen zu helfen, an Handwerker zu kommen. Die Handwerkskammer Koblenz bietet sich an dieser Stelle an, Gespräche und Vernetzung im Bereich Handwerk voranzutreiben, u.a. mit Projekten wie der Handwerkerbörse www.handwerk-baut-auf.de. Doch auch ehrenamtliche Handwerksleistungen wurden besprochen: Da Betroffene nur schwer an Handwerker kommen, die eine Rechnung stellen, greifen sie immer wieder auf ehrenamtlich arbeitende Handwerker zurück. Die so erbrachten Handwerksleistungen können aus verwaltungsrechtlichen Gründen allerdings nicht als Wiederaufbauhilfe angerechnet werden und in die 80 % fallen, welche von der ISB gefördert werden. Zudem können diese ebenso wie der Wert der eigenen Arbeitsleistung (Eigenleistungen) nicht auf die 20 % Eigenanteil angerechnet werden.*

Im Zuge des Gesprächs zu diesem Thema wurde auch nochmal die Zahl aus den Statistiken der Aufsuchenden Hilfe diskutiert, nach der nur 6% der Betroffenen noch freiwillige Hilfe in Anspruch nehmen möchten. Dabei ging es natürlich nur um die ungelernte freiwillige Hilfe, wie sie vom Helfer-Shuttle vermittelt wurde oder für Stemmarbeiten und Eimerketten genutzt wurde. Gelernte, freiwillige Hilfe wie im Handwerk oder anderen Bereichen ist damit natürlich nicht gemeint. Wichtig ist in diesem Zusammenhang allerdings bei ehrenamtlicher Hilfe, wie auch bei Spenden, dass sie gut dokumentiert werden und die Betroffenen über die Vor- und Nachteile aufgeklärt und informiert werden.

Und damit kommen wir zu einem Fazit des Netzwerktreffens: Informationen sind im Wiederaufbau unfassbar wichtig! Denn nur, wer Hilfsangebote kennt, kann sie nutzen. Um das zu fördern ist es wichtig, dass man sich gegenseitig von Hilfsangeboten erzählt, sie mehr publik macht und Erfahrungen darüber austauscht. Projekte wie das Informationsbündnis Wiederaufbau mit den „Wir sind dAHR“-Kanälen, das Kat-Wiki und die InfoPoints sind dabei gute Adressen, um sich zu informieren! Es kam auch noch die Idee auf, mehr Informationen über das Radio zu streuen.

Das zweite Fazit des Treffens war, dass Netzwerkarbeit im Wiederaufbau eine besonders große Rolle spielt. Gemeinsame Projekte, und Kooperationen können viel mehr erreichen als viele Solo-Projekte und Einzelaktionen. Denn das große Ziel aller Anwesenden ist es, zu helfen. Und das geht am besten gemeinsam.

Wir bedanken uns sehr bei allen Organisationen, die am Netzwerktreffen teilgenommen haben und freuen uns schon auf ein baldiges Wiedersehen! Im nächsten Newsletter geht es dann wieder um aktuelle Projekte und Entwicklungen aus der Hilfe im Wiederaufbau – versprochen!

Falls ihr in der Vergangenheit den ein oder anderen Newsletter übrigens verpasst habt, gibt es jetzt alle Newsletter zum Nachlesen nochmal auf unserer Website – schaut also im neuen Newsletter-Archiv vorbei, bis der nächste Newsletter wieder kommt!

 

Bis dahin wünschen wir euch allen weiterhin viel Erfolg und eine gute Zeit!

Liebe Grüße und einen schönen Tag wünscht euch

 

Das Team des Helfer-Stabs

*Diese Formulierung wurde gegenüber dem ursprünglichen Newsletter-Text verändert.

 

 

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